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Biberdamm Management

Biberdämme haben zwar das Potenzial, wunderschöne Überschwemmungsgebiete mit hoher Biodiversität zu schaffen, doch manchmal ist ihr Standort nicht ideal und bedroht Infrastruktur, Ackerland oder Waldplantagen.

Dann wird es notwendig, diese Dämme aktiv zu verwalten. In diesem Rahmen muss eine Interessenabwägung vorgenommen werden. Dazu gehört eine genaue Analyse des jeweiligen Lebensraums, um die Funktion der Dämme und Baue richtig interpretieren zu können. Doch ist eine Unterscheidung zwischen Hauptdämme, Nebendämme oder temporäre Dämme nicht immer ganz einfach. Untenstehend wird das Vorgehen zu deren Unterscheidung Schritt für Schritt erläutert.

1. Das gesamte Biberrevier absuchen und Spuren aufnehmen

Der erste Schritt zu einer angemessenen Interessenabwägung besteht darin, das gesamte Revier abzulaufen und Biberspuren zu erfassen. Die wichtigsten davon sind folgende:

Dämme

Erdbaue, Burgen, Fluchtröhren

Wintervorrat : dieser befindet sich immer vor einem besetzten Bau oder einer Burg.

Fallpätze und Frassplätze : zeigt auf, wo die Biber hauptsächlich aktiv sind.

-> Angaben zur Anzahl der Biber (einzeln/paar oder Familie)

  • Anzeichen reger Biberaktivität (Erdbaue, zahlreiche Fäll- und Frassplätze, Ausstiege und Wechsel, Markierungen, etc.) lassen ebenfalls auf die Anwesenheit einer Familie schliessen. Bei geringer Aktivität handelt es sich eher um ein Biberpaar oder um ein Einzeltier, wobei gerade in Landwirtschaftsgebieten oft nur wenig Spuren vorhanden sind, weil sich die Biber vornehmlich von landwirtschaftlichen Kulturen ernähren.
  • Alter des Biberreviers : bei dauerhaft besiedelten Gewässerabschnitten ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass sich eine Familie gebildet hat als bei neu besiedelten Gewässern.
  • Unterschiedliche Zahnbreiten an einem Ast deuten auf eine Familie mit Jungtieren hin.

-> Achtung : diese Art von Ästen kann auch von der Strömung aus einem weiter flussaufwärts gelegenen Gebiet transportiert worden sein. Findet man die Äste jedoch an Nageplätzen in Ufernähe oder in flachem Wasser, kann man daraus schliessen, dass sie aus dem Gebiet selbst stammen. Wenn man zudem nicht beide Spuren gleichzeitig in einem bestimmten Revier finden kann, ist es praktisch unmöglich, sie Jungtieren oder Erwachsenen zuzuordnen.

2. Dammfunktion bestimmen

Ein einziger Damm

Ist nur ein Damm im Biberrevier vorhanden wird dieser in den allermeisten Fällen den bewohnten Bau der Biber schützen. Sind viele tiefe Wasserstellen vorhanden, die nicht durch den Damm beeinflusst werden, kann sich ein  besetzter Bau auch an einer solchen Stelle befinden.

Ist ein Biberbau besetzt ?

 

Mehrere Dämme

Sind mehrere Dämme vorhanden muss die Funktion der einzelnen Dämme bestimmt werden.

Hauptdamm

Nebendamm

temporäre Dämme

3. Interessenabwägung

Nachdem die notwendigen Schritte für eine umfassende Revierkartierung durchgeführt wurden, soll diese Entscheidungshilfe dazu dienen, eine Interessenabwägung vorzunehmen. Das Dokument soll die kantonalen Vollzugsbehörden (Jagdverwalter und Wildhüter) und andere betroffene Stellen bei einer ausgewogenen und transparenten Lösungsfindung bei Konflikten in Zusammenhang mit Biberdämmen unterstützen.

Eingriffe an Biberdämmen und ‑bauen (Manipulation oder Entfernung) sind zulässig, wenn diese der Vermeidung erheblicher Schäden (Wald, landwirtschaftliche Kulturen, Infrastrukturanlagen, Siedlungsraum) oder einer erheblichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit dienen (Art. 12 Abs. 2 JSG). Massnahmen, die eine wesentliche Beeinträchtigung des Biberlebensraums darstellen, dürfen nur aufgrund einer kantonalen Verfügung ergriffen werden (Art. 18 Abs. 1ter NHG , Art. 14 Abs. 6 NHV).

principaux

Hauptdämme

  • Hauptdämme schützen Burgen oder Erdbaue vor Schwankungen des Wasserspiegels. Sie sorgen unter anderem dafür, dass der Eingang ständig unter Wasser liegt, ermöglichen den Transport von Baumaterial und bieten auch die Möglichkeit, sicher unter die Wasseroberfläche zu tauchen.

  • Die von Bibern bewohnte Behausung befindet sich in der Regel einige Meter oberhalb eines Hauptdammes.

  • Im Allgemeinen gilt: Je älter ein Damm ist, desto imposanter ist seine Grösse.

  • In neu besetzten Gebieten können die Hauptdämme jedoch auch relativ klein sein. So werden sie mit wenig Holz gebaut und ähneln stark den temporären Dämmen.

secondaires

Nebendämme

  • Nebendämme schützen keine bewohnten Baue oder Hütten.

  • Ein Nebenstaudamm ist jedoch das ganze Jahr über ein fester Bestandteil eines Reviers. Er dient der Nahrungsbeschaffung, dem Holztransport, der Erweiterung des Lebensraums usw.).

  • Er wird oft aus Ästen und Steinen gebaut. Er kann jedoch auch mit einem Hauptdamm verwechselt werden.

  • Wenn in einem Teich, der durch einen Nebenstaudamm entstanden ist, unterirdische Eingänge an den Ufern zu sehen sind, ist es manchmal schwierig zu erkennen, ob es sich um einen Bau oder "nur" um einen Fluchtsröhren handelt.

temporaires

Temporäre Dämme

  • Temporäre Dämme werden vor allem in landwirtschaftlichen Gebieten eingesetzt, um an die saisonale Sommer- und Herbstnahrung (z. B. Zuckerrüben, Mais) zu gelangen. Sie bieten den Bibern Sicherheit, indem sie ihnen eine schnelle Flucht ermöglichen, wenn in der Nähe der Nahrungsquelle eine Gefahr erkannt wird.

  • Diese Dämme sind in der Regel nicht sehr hoch oder stabil. Sie werden oft aus Maisstängeln und Erde gebaut. Neben den temporären Dämmen gibt es im Biberrevier auch andere Dämme.

  • Häufig gibt es mindestens einen Eingang in die Uferböschung oberhalb eines temporären Damms. Dabei handelt es sich um den Eingang zu einer Fluchtröhre, in den sich die Biber bei Gefahr flüchten. Die Länge der Röhre kann mithilfe eines Astes bestimmt werden.

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